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Tilt und Shift – Do it yourself

Die Telekom, die Telekom. Versucht nicht nur aktuell mal wieder, irgendwo auf der Welt gegen andere Unternehmen die Farbe Magenta als Corporate-Farbe einzuklagen, sondern begeistert mich seit einiger Zeit mit den Bildmotiven ihrer vielfältigen Kommunikationsmittel. Was vor einiger Zeit mit Aufsehen erregenden Motiven in der Printkommunikation begann, findet seit kurzem eine Fortführung in Bewegtbildern der TV- und Kino-Kampagnen.

Die Bilder und Effekte sind stets von gleicher Art: Leicht von oben fotografierte Szenerien und Landschaften wirken wie zart durchleuchtete Aufnahmen einer Modell-Landschaft. Sie sind sehr farbintensiv und nur in einem kleinen Bereich wirklich scharf. (Mich erinnern sie deutlich an die Modelleisenbahn-Anlage von Vikar Jung im Lendringser Pfarrheim der 70er Jahre – und sie sind doch: fotografierte Realszenen.)

Möglich ist dieser Effekt schon lange (vgl. Scheimpflugsche Regel von 1907), wird aber bisher hauptsächlich in der Architekturfotografie oder der künstlerischen Fotografie eingesetzt.

Tilt und Shift
Neben der exakten Abbildung vertikaler Linien z.B. beim Fotografieren hoher Gebäude (= Shift), kann man mit sogenannten Tilt-Shift-Objektiven auch den Schärbebereich eines Bildes exakt eingrenzen und exakt positionieren (= Tilt).
Diese Spezialobjektive sind sehr teuer, und mit ihnen zu arbeiten ist langwierig und einigermaßen kompliziert – doch man kann ähnliche Effekte ja auch leicht digital nachahmen. Wenn man sogar die schönsten Supermodels digital bearbeitet und bis zur Kenntlichkeit verzerrt, dann wird man doch wohl auch für den eigenen Spaß etwas in die Trickkiste greifen können.

How to do it
Zunächst benötigt man ein gutes Ausgangsbild. Am besten eines, dass von oben auf eine weite Szenerie blickt. Eine Landschaft bespielsweise, eine Stadt, ein Fussballstadion … halt, was für ein Zufall, hier ist ja ein geeigneter Blick in eine Tiefebene des Burgund, der mir in Brancion vom Burgfried gelang. Da ich lange belichten konnte, habe ich eine große Tiefenschärfe erreicht, die selbst das weit ausladende Tal noch deutlich scharf abbildet. Der Hintergrund wirkt wie eine Art Prospekt und erinnert bereits an Dioramen und Bühnenbild.

Mit einer Bildbearbeitungssoftware muss man nun eine Reihe kleiner Manipulationen vornehmen: weiche Auswahlen für den Schärfebereich treffen, an den anderen Stellen die Tiefenschärfe per Filter abmildern, später noch die Farbsättigung erhöhen, eventuell bis hin zur Knusprigkeit leicht nachschärfen – voili voilà !

Im Detail ist die Miniaturwirkung frappierend. Und wirkliche Menschen erscheinen wie echte Plastikfiguren, im Maßstab 1:72 verkleinert und in die Islandmoos-Landschaft geklebt.

… im Fußballstadon geht das natürlich auch, wie Jörg schon in unserem internen Blog gezeigt hatte. Dass der BVB wirklich Miniaturspieler verpflichtet hat und damit auch noch Meister wurde – kaum zu glauben.

Irgendwie süß, so eine Zuckerbäckerei, oder?

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