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Mit einem kleinen bisschen Glück …

Sollte ich einmal im Lotto gewinnen (dazu müsste ich allerdings überhaupt erst einmal Lotto spielen), werde ich mit Hilfe des vielen vielen Geldes mehrere Berufsausbildungen nachholen. Ja, richtig gelesen: Ich werde Lehrling, Azubi, Stift. Und ich meine richtige Lehrlingsausbildungen: volle Dauer, sämtliche Anforderungen. Na ja, die Berufsschule mit Unterricht in den Fächern Spanisch, Turnen und Religion, die würde ich mir teilweise schenken. Aber Abschlüsse würde ich in allen Ausbildungen erreichen wollen, vielleicht sogar Meisterausbildungen absolvieren.

Die Handwerke und Tätigkeiten, die ich unbedingt noch lernen will, sind diese: Koch, Drucker, Fotograf und Buchbinder. Alle vier Berufe interessieren mich ohnehin schon seit geraumer Zeit – und in meiner Vorstellung lerne ich die nach meinem Gewinn natürlich bei alten weisen Meistern ihres Berufs in kleinen, perfekt ausgestatteten Küchen, Werkstätten und Ateliers. Schließlich geht es mir darum, die alten traditionellen Techniken und Perspektiven kennen zu lernen, zu bewahren und dann meinerseits weitergeben zu können. Dieser Wunsch speist sich vielleicht aus der relativen Traditionslosigkeit meiner jetzigen Arbeitsumgebung. Uns digitalen Pixelrittern kann man ja zu Recht nachsagen, dass es da keinerlei gesicherten Hintergrund gibt, wenn man mal von den letzten 25 oder 30 Jahren absieht.

Warum in meiner Wunschliste der Beruf des Buchbinders dabei ist, habe ich einmal mehr verstanden, als ich ein Interview mit Michael Greer auf boingboing.net gelesen habe.

Der Buchbinder Michael Greer ist ein rechtschaffener Meister seiner Zunft, der sich gern mal verrückten Projekten widmet. So hat er zum Beispiel ein nur aus Nullen und Einsen im Binärcode geschriebenes Buch Genesis hergestellt. Das beginnt so:

00110010
01010100 01101000 0110101 01110011 …

Greer gibt im Interview eine sehr angenehme Antwort auf die Frage, wieso das Buchbinden (und das Buch) im digitalen Zeitalter noch wertvoll und wichtig sind.

„The other thing is that so much of the digital world is actually more ephemeral than the physical world. I have ten year old computer files that I can’t read. How long will a Nook last? Last night I was reading a book by Ernie Pyle about the Second World War when my wife walked into the room. It dawned on me that she was in our bedroom, but I was watching our navy transports unload soldiers on the beaches of Sicily. I was plugged in but the book wasn’t. Then it will go back onto the shelf until someone else picks it up … ten, twenty, twelve hundred years from now.“

So geht das.
Mehr nach dem Sprung: boingboing.net

P.S. Wußten Sie, dass es sich beim Wort „bisschen“ in der Überschrift um ein indeklinables Indefinitpronomen handelt? Ach ja, es ist außerdem auf www.duden.de eines der meistüberprüften Worte: Schreibt man es nun mit einem oder zwei s? Oder gar mit einem ß?

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