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Das Leiden der C.P. aus W. und Anderer

Ein Leiden unseres Berufes ist es, dass die Laien, die nichts mit der Branche zu tun haben, oft nicht wissen, wie viel Arbeit hinter manch einem Plakat oder manch einer Broschüre steckt.

Oft hört man den Satz „Mach doch mal eben.“ oder „Ach, das geht doch fix.“ – gerne auch mal mit abwinkender Handbewegung. Irritation und Unglaube schlägt einem entgegen, wenn man diesen Leuten klar machen muss, dass eine Änderung nicht mehr möglich ist, wenn Plakat/Broschüre bis zu einem vorher festgelegten Termin druckfertig sein soll.

Natürlich kann man „mal eben“ und „fix“ etwas gestalten.
Das sieht dann aber meistens so aus, wie die Speisekarte beim Dönermann um die Ecke. Rechtschreibfehler, verschiedene Schriftarten oder -größen oder manchmal auch beides in Kombination; hundert Leerzeichen, statt eines ordentlich gesetzten Tabulators und noch vieles, vieles mehr. Aber ich schweife ab …

Ich habe schon öfter über Gestaltungsarbeiten geschrieben, die ich hier so gemacht habe, aber nie wurde so richtig klar, welche Arbeit und welcher Zeitaufwand dahinter steckt. Daher schreibe ich heute nicht nur darüber, was ich gemacht habe, sondern auch darüber, was bei der Gestaltung einer Postkarte so alles an Arbeit anfallen kann und das „mal eben“-Projekt zu einem „gute Woche“-Projekt gemacht hat.

Tag 1: – Fotobearbeitung –

Das Ausgangsmaterial war ein Farbfoto vom Paar.

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Zuerst habe ich aus dem Farbfoto ein Schwarz-Weiß-Foto gemacht. Da der Hintergrund für meine Zwecke störend war, musste er weg. Das heißt freistellen.

Freistellen bedeutet, dass ich mit einem Werkzeug am Computer das Paar vom Hintergrund trenne, ähnlich als hätte ich das Foto ausgedruckt und würde die beiden mit einer Schere ausschneiden. Das muss ich natürlich so ordentlich wie möglich machen.

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Soweit so gut.
Diesem wollte ich dann einen Hauch von Retro verleihen, in dem ich einzelne Flächen wieder farbig hervorhebe. So wie früher auch Fotos mit der Hand koloriert wurden.
Das bedeutet aber, dass ich jede Fläche, die ich einfärben möchte wieder freistellen muss. Und jede Farbe die ich vergeben will, muss für sich freigestellt werden. In diesem Fall die Haut, zwei mal Haare, seine Kleidung, ihre Lippen und Fingernägel.
Ergo: Fünf mal freistellen.
Sobald ein Bereich (hier die Haut) freigestellt ist, konnte ich ihn einfärben und mich dann dem nächsten Bereich widmen.

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Das Einfärben dauert dann auch immer eine gewisse Zeit, da man in vier verschiedenen Farbkanälen herum experimentiert, bis man die passende Farbe gefunden hat.
Farbkanal einstellen, den nächsten Kanal einstellen, doch zu viel, wieder zurück, im ersten doch nochmal was ändern, wird es vielleicht besser, wenn ich im dritten Kanal was dazu gebe, nein, es wird schlechter, also wieder ändern, …
Und so geht das dann für alle Bereiche, die ich neu einfärben möchte. Solange, bis ich mit dem Ergebnis endlich zufrieden bin.

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Tag 2: – Stadtpläne nachzeichnen, ein flatterndes Banner und Dinge alt aussehen lassen –

Für den Hintergrund wollte ich unbedingt den Stadtplan der Stadt nutzen, in der unser Paar auf dem Foto geheiratet hat.
Dafür habe ich das sogenannte Zeichenstift-Werkzeug genutzt.
Mit diesem setze ich zum Beispiel zwei Punkte und Punkt 1 wird dann mit Punkt 2 durch eine Linie verbunden. Diese Linie ist grundsätzlich erst einmal gerade, sie kann die Punkte aber auch kurvig miteinander verbinden. Ganz wie ich es benötige und einstelle.
(Auf dem zweiten Foto sind diese Linien und Punkte rot.)

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Dann musste ich noch ein Banner erstellen.
Das habe ich erstmal vorgezeichnet und dann eingescannt,
um es – wieder mit dem Zeichenstift-Werkzeug – nachzuzeichnen.

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Das Banner wollte ich aber „grunge-ig“ aussehen lassen, wie schonmal benutzt oder nicht richtig gedruckt. Dafür musste ich mir erstmal einen Grunge-Effekt basteln, das bedeutet viele kleine, ungleichmäßige Flecke basteln.
Möglichst schnell geht das, wenn man einfach ein Quadrat erstellt (Bild 1) und das mit dem sogenannten Messer-Werkzeug kreuz und quer und möglichst unordentlich und so oft wie möglich zerschneidet. (Bild 2)
Diese kann ich dann transformieren und die Ecken noch abrunden, aber genug vom Fachchinesisch.
Einmal geeignete Flecken erstellt, muss ich diese kopieren, kopieren, kopieren und natürlich einfügen, einfügen, einfügen. (Bild 3 bis 5)

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Das Kopieren und Einfügen mache ich so lange, bis eine „grunge-ige“ Fläche entsteht, die mir zusagt und die ich dann auf mein Banner anwenden kann.

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Tag 3: – Briefmarken und Stempel –

Für die Stempel habe ich mir als Referenz Poststempel rausgesucht und diese versucht so gut wie es geht am Rechner nachzubauen. Kreise ziehen, für eine Schrift entscheiden, Linien ziehen, alles aneinander ausrichten, den perfekten Blauton finden.

Derselbe Ablauf dann nochmal für einen zweiten Stempel.

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Genauso war es mit den Briefmarken.
Nochmal genau anschauen, wie eine Briefmarke überhaupt aussieht.
Klingt doof, aber was man im Kopf hat und wie so etwas dann tatsächlich aussieht, sind manchmal Welten. ;)
Und dann auch wieder aus einem Foto eine Briefmarke bauen.
Foto in Schwarz-Weiß umwandeln, dann für eine Farbe entscheiden, die diese Briefmarke haben soll, den typischen Briefmarken Rand bauen, Schrift einfügen, alles zusammensetzen. Und das alles dann für drei Briefmarken.

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Tag 4: – Schriften, Farben
und das Zusammenfügen des Ganzen –

Schrift und Farbe – solche Dinge wollen nunmal auch entschieden werden. Und „entschieden werden“ bedeutet hier meist ausprobieren, verschiedene Kombinationen versuchen, vielleicht auch mal ausdrucken und dann auf sich wirken lassen. Andere um Meinung bitten und diese dann vielleicht auch nochmal ausprobieren.

Und dann müssen all die Elemente auch noch zuasammengefügt werden. Ein Hintergrund, der Stadtplan der nachgezeichnet wurde, das Banner mit dem Foto, Briefmarken, Texte, Stempel.

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Und dann entscheiden, was wo stehen soll.
Sieht das gut aus? Oder doch lieber so?
Entscheidungsschwierigkeiten an manchen Stellen, die allein oder mit anderen aufgelöst werden müssen. Nochmal ein Testdruck, nochmal was verschieben. Hochformat oder doch lieber Querformat? Nochmal nach einer Meinung fragen, auf eine viel bessere Idee kommen und diese dann umsetzen.

Tag 5: – Korrekturen –

Wenn man tagelang auf die selbe Arbeit geschaut hat, fallen einem Fehler irgendwann einfach nicht mehr auf. Gut, wenn man keinen Zeitdruck hat und die Arbeit einfach mal einen Tag liegen lassen kann, um einen Tag später mit frischen Augen darauf zu schauen. Zeit also die letzten Fehlerchen zu beheben, bevor die Karte dann endlich in den Druck gehen kann.

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Das war also „mal eben“ eine Postkarte gestalten.

Zum Glück gibt es oft genug auch Menschen, die zu schätzen wissen, was man auf der Arbeit so tut und man bekommt nicht das Gefühl, dass alles Perlen vor die Säue sind. ;)

So auch N. geborene S. und A.R. aus K. in D., die sich sehr über die Karte gefreut haben und schon angekündigt haben, dass ich noch mehr für sie gestalten soll – und das nicht „mal eben“. :)

3 Kommentare zu “Das Leiden der C.P. aus W. und Anderer

  1. Das war ein sehr gut gearbeitetes Projekt – und dies ist ein gut gemachter Blog-Artikel. Es ist schön zu sehen, wie frei Du jetzt schon arbeitest, wie Du Arbeitsweisen und Programme kombinierst und für den gewünschten Zweck einsetzt. Im Endergebnis kann man sehen: Jeder der kleinen vielen Mühen hat sich gelohnt. Weiter so!

  2. Ich kann dem nur beipflichten. Die Karte ist der Kracher und wir freuen uns auf das nächste Projekt :D
    Sehr talentiert du bist, junger Padawan – auch wenn hier der Laie spricht ;)

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