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Bestandsaufnahme: Zeichen & Wandern

Am Samstag war ich lange wandern. Die Strecke von Neuenrade nach Menden (ca. 30 km, inklusive eines blöden Verlaufens oberhalb von Balve mit 1 Stunde Umweg, grrrr) führt fast ausschließlich über einen Höhenwanderweg namens X18, der mir wunderbare Einblicke in das südliche Sauerland ermöglichte. Leider ist seit dem Orkan Kyrill, der 2007 übers Land zog, nicht mehr viel übrig von den dichten Wäldern auf den Berghängen. Kyrill hat damals ganze Arbeit geleistet – und das ist an vielen Stellen immer noch sichtbar.

Aber das nur am Rande.

Wer wandert, braucht neben einer Karte auch ein prima Auge für die Wegzeichen. Im Sauerland kümmert sich der Sauerländische Gebirgsverein SGV um die Markierungen der Wanderwege. Das bedeutet, dass ständig ehrenamtlich WanderfreundInnen unterwegs sind und kontrollierend Strecken abgehen, Veränderungen klären, Markierungen versetzen und neue Zeichen anbringen bzw. aufpinseln. Prima, prima – klappt aber nicht immer. Und gerade in einem Gebiet mit massenhaften Orkanschäden muss ja heftig nachgearbeitet werden: Wege müssen komplett neu gelegt und markiert werden (und passen dann überhaupt nicht mehr zu den Hinweisen in mitgeführten Wanderkarten), Bäume mit aufgemalten Markierungen knicken noch nachträglich weg, aktuell benötige Forstwege setzen sich gegen schmale Wanderpfade durch und führen plötzlich in andere Richtungen – und all das kann Wandernde ganz schön durcheinander bringen.

Es folgt eine kleine, willkürliche Typologie der von mir am Samstag gefundenen Markierungen, nebst anderen Wegzeichen und Symbolen:

01
Die klaren wegweisenden Zeichen

Manchmal versammeln sich eine Menge unterschiedlicher Symbole für die verschiedenen Wanderstrecken an einem Ort. Das wirkt konfus, mit ein bißchen Übung aber kommt man da ganz gut klar. Man folgt dem Weg mit der Raute, oder dem „A2“, … das funktioniert sehr gut, solange die Markierungen eindeutig und deutlich gesetzt sind.
Ein einzelnes Symbol hat es da natürlich leichter, sich durchzusetzen.

02
Die versteckten Zeichen

Wandernde brauchen Adleraugen! An einigen Weggabelungen und Streckenkreuzungen muss man schonmal aufmerksam suchen, bevor man Hinweise auf den weiteren Verlauf des Weges findet. Hier spielen die Zeichen mit den Wandernden Verstecken. Wohl dem, der dann noch genügend Energie zum Mitspielen hat :-)

03
Die verwirrenden und ins Nichts führenden Zeichen

Der Genießer schweigt und wundert sich stille. Was soll das?

Man sieht: Wandern in unbekanntem Gebiet ist auch eine kleine Zeichen-finden- und-interpretieren-Aufgabe. Das kann Spaß machen oder nerven – je nach Laune und bereits absolvierter Strecke. Kaum etwas ist ernüchternder, als erschöpft an der letzten Weggabelung falsch abzubiegen und mehrere Kilometer in die falsche Richtung zu gehen.
Alles in allem ist es sicherlich nicht einfach, die Vielzahl der Wege in einer sich ständig verändernden Umgebung klar und eindeutig markiert zu halten. Dass die Wegzeichen überhaupt vorhanden sind und die Markierungen zu mehr als 90 % funktionieren (bei meinen Wanderungen bisher jedenfalls), ist gar nicht hoch genug zu loben. Congratualtions, SGV!

Und was gab’s sonst noch zu sehen?

Na, zum Beispiel bunte Pfähle,

… Bäume mit befremdlichen Beschriftungen,

… überraschende Steinhaufen (als wäre man plötzlich auf einem jüdischen Friedhof oder im Hochgebirge gelandet)

… sowie liebevoll gelaserte Typografien an Schutzhütten-Sitzgelegenheiten.

Und zum Schluss dann auch noch das:

Mehr kann ein Tag im Wald für Designer nicht bereithalten!

Alles in allem war es ein angenehmer Wandertag – und doppelt interessant für’s zeichensuchende Auge. Ich habe mich jedenfalls besser und sicherer geführt gefühlt, als auf so manchem mitteleuropäischen Flughafen oder im Hauptstadtbahnhof der Deutschen Bahn.

2 Kommentare zu “Bestandsaufnahme: Zeichen & Wandern

  1. Hallo Peter,

    schau mal wie interessant, da läufst du doch tatsächlich die Strecke von Neuenrade nach Menden. Da solltest du wissen, das dies meine Standardwanderstrecke im Frühjahr und Herbst ist. Als damals vor Kyrill noch viel Wald stand, gab es die Wanderzeichen häufiger und es war angenehmer zu laufen,weil mehr Schatten war.Dafür hat man heute, wie ich finde, fantastische Aussichten.Wenn ich dann mal in Rente bin, werde ich Wegewart im SGV, gehe mit einem weissen Farbeimer und Wegezeichenschablonen los und markiere uneinsichtige Wegezeichen.Dann verläufst du dich auch nicht mehr.

    So long – schöne Grüsse

    Klaus Awalla

  2. Hallo Klaus.
    Ich wusste bereits, dass es eine von Dir bevorzugte Strecke ist. Früher war sie unglaublich schön und abwechslungsreich, jetzt ist es in weiten Teilen eine Mondlandschaft mit herrlichen Ausblicken, die ohne Kyrill nicht möglich wären.
    Ich freue mich auf Deinen Eintritt ins Rentenalter, denn dann kann ich gänzlich ohne Karte loswandern. Es sei denn, Du markierst als musikalischer Wegewart alles in harmonischer Schreibweise: Folge dem G-moll-Zeichen und biege hinter D7 auf Es7verm ab … oder so ähnlich … :-)
    Gutgehn, Peter

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