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Ab heute: Neue Adressierung im Internet

Von heute an ist im Internet alles anders. Und wie so häufig: Es wird kaum jemand von uns bemerken :-) Trotzdem möchte ich an diesem historischen Tag ein paar verständliche Infos dazu notieren.

Am heutigen 6. Juni 2012 führt die ehrenwerte Internet Society (ISOC) unter dem Motto „Die Zukunft ist für immer“ den neuen IPv6-Standard ein. IP-Standard – nie gehört? Macht nichts. Das ganze ist eine weltweite Umstellung der für uns Normalnutzer unsichtbaren Internetadressen auf ein technisch höheres Niveau.

Wer hätte das gedacht?

Was sich zu Beginn der Internet-Nutzung wohl niemand vorstellen konnte: Die Zahl der freien Internet-Adressen schrumpft gegen Null. Für den europäischen Raum standen zum Beispiel im Oktober 2011 nur noch knapp 60 Millionen IP-Adressen zur Verfügung. Da für jede neue Domain/Website auch eine neue Adresse zugeteilt werden muss, war es nur eine Frage der Zeit, bis der Vorrat sich erschöpfen würde.

Die bisher genutzten Adressen nach IPv4-Standard bauten sich aus vier Zahlen auf, die Werte von 0 bis 255 annehmen können und mit einem Punkt getrennt werden, also beispielsweise 192.0.2.42. Es handelt sich technisch gesehen um eine 32stellige Binärzahl. Und deren Kombinationsmöglichkeiten erschöpfen sich exakt in der Anzahl von 4.294.967.296. Hmmm. Das ist eigentlich eine ziemlich eindrucksvolle Zahl – und trotzdem nicht mehr ausreichend.

Achtung! Gut festhalten: Sehr große Zahlen!

Daher wird nun nach einer langen Vorbereitungs- und Testphase umgestellt: Von IPv4 auf IPv6. Halten Sie sich fest: Von heute an wird durch das neue IPv6-Protokoll eine Anzahl von 340.282.366.920.938.463.463.374.607.431.768.211.456 Adressen möglich sein. Das reicht wohl erstmal. Wikipedia schreibt dazu:

„Diese Anzahl reicht aus, um für jeden Quadratmillimeter der Erdoberfläche mindestens 665.570.793.348.866.944 IP-Adressen bereitzustellen.“

Na bitte, das ist doch mal ein Wort! Das Ziel ist wohl, jedem Endgerät, das mit dem Internet verbunden werden kann, eine eindeutige IP-Adresse zuzuordnen. Dann haben nicht mehr alle Computer/Fernseher/Smartphones eines Netzwerkes die gleiche IP-Nummer des zugehörigen Routers, sondern sind eindeutig identifizierbar und ansprechbar.

Keine Sorge!

Keine Sorge, man muss sich als Webnutzer aktuell um nichts kümmern. Die großen Internet-Service-Provider stellen nach und nach die Adressen um – wir alle werden nichts davon merken. Für die Router zuhause und im Büro wird es eventuell Software-Updates geben, falls das notwendig sein sollte. Die komplette Adress-Umstellung ist also eine gigantische Software– und keine Hardware-Änderung.

Sie können also sorglos all das hier Geschriebene wieder vergessen. Es sei denn, Sie surfen noch immer mit einem völlig veralteten Webbrowser im Internet. Dann wird es allerdings langsam Zeit, ein paar Software-Updates nachzuholen :-)

2 Kommentare zu “Ab heute: Neue Adressierung im Internet

  1. „Dann haben nicht mehr alle Computer/Fernseher/Smartphones eines Netzwerkes die gleiche IP-Nummer des zugehörigen Routers, sondern sind eindeutig identifizierbar und ansprechbar. Keine Sorge!“
    Ich finde, das klingt durchaus, als müsse man sich Sorgen machen. Was identifizierbar ist, ist womöglich auch kontrollierbar. Es ist doch, wenn ich dich richtig verstanden habe, technisch gar nicht notwendig, Endgeräte identifizierbar zu machen; der Zweck war doch, sicher zu stellen, dass neue domains eingerichtet werden können. Am Ende dient diese Erweiterung dann vor allem wieder einmal denen, die Daten sammeln wollen. Nein?

    1. Das ist die andere Seite der Medaille – und da kann man tatsächlich ein wenig beginnen, sich Sorgen zu machen. Denn die Kontrollmöglichkeiten werden mit der Umstellung auf IPv6 gleichzeitig verfeinert, das sehe ich auch so.
      Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hat sich darüber ebenfalls seine Gedanken gemacht – und mahnt die Unternehmen, bei der Umstellung auf IPv6 mit der notwendigen Sorgfalt und unter Berücksichtigung des Datenschutzes vorzugehen. Zum Beispiel so:
      „Beim zweiten Adressteil [der IPv6-Adresse, PN], dem Interface Identifier, kann durch Einsatz einer Erweiterung zur Wahrung der Privatsphäre (englisch: Privacy Extension) gewährleistet werden, dass zumindest die Geräteadresse eines Endgerätes nicht wieder erkennbar ist. Die Privacy Extension sorgt dafür, dass der Interface Identifier auf zufälliger Basis gewechselt wird.Deshalb sollte diese Technologie auf allen Endgeräten und Betriebssystemen eingesetzt werden.“
      Mehr dazu findet man hier:
      https://www.bfdi.bund.de/bfdi_forum/showthread.php?2393-IPv6-Wo-bleibt-der-Datenschutz&highlight=IPv6

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